BR-Enthüllung zeigt Soft2Bet als Infrastrukturanbieter für illegale Casino-Plattformen in Deutschland

Ines Jung · Aug 11, 2026

BR-Enthüllung zeigt Soft2Bet als Infrastrukturanbieter für illegale Casino-Plattformen in Deutschland

Illustration zur BR-Recherche über Soft2Bet und illegale Online-Casinos in Deutschland

Die zentralen Ergebnisse der gemeinsamen Untersuchung

Ein Verbund aus Bayerischem Rundfunk, Investigate Europe und weiteren internationalen Partnern hat interne Unterlagen und technische Verbindungen analysiert, die Soft2Bet mit etwa 120 nicht lizenzierten Online-Casino-Seiten verknüpfen, welche deutsche Nutzer erreichen können, während Marken wie Wazamba und Rabona als Beispiele genannt werden. Die Plattformen stammen aus Zypern und Malta, wo das Unternehmen von Uri Poliavich gegründet wurde, und sie nutzen dieselbe technische Basis, die in den Dokumenten als zentraler Knotenpunkt beschrieben wird.

Zwischen 2020 und 2024 verzeichnete das Netzwerk nach Auswertung der Unterlagen Einnahmen von mehr als 600 Millionen Euro aus diesen Aktivitäten, und allein im Mai 2026 registrierten die Seiten rund acht Millionen Besuche aus Deutschland. Die Seiten verzichten häufig auf vorgeschriebene Spielerschutzmaßnahmen und setzen auf aggressive Werbestrategien, die in den untersuchten Materialien detailliert aufgelistet sind.

Technische Struktur und Markenvielfalt

Soft2Bet fungiert als technischer Dienstleister, der Backend-Systeme, Zahlungsabwicklungen und Plattform-Elemente bereitstellt, sodass verschiedene Front-End-Marken ohne eigene Infrastruktur operieren können. Die Recherche zeigt, dass diese Konstruktion es ermöglicht, schnell neue Domains und Designs zu erstellen, während die zugrunde liegende Software gleich bleibt. Deutsche Spieler erreichen diese Angebote über Suchmaschinen oder Werbebanner, obwohl die GGL solche Seiten als illegal einstuft.

Interne Datensätze listen Dutzende Domains auf, die alle auf dieselben Server und Lizenzstrukturen zurückführen, und sie belegen wiederkehrende Muster bei der Kundenakquise. Die Abwesenheit von verpflichtenden Limits oder Sperrmöglichkeiten wird in den Dokumenten als strukturelles Merkmal beschrieben, das die Betreiber beibehalten haben.

Darstellung von Online-Casino-Aktivitäten und regulatorischen Hinweisen in Deutschland

Stellungnahme der deutschen Glücksspielbehörde

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder bestätigte gegenüber den Rechercheuren, dass Soft2Bet als technischer Anbieter bekannt sei, doch bislang liege kein rechtskräftiger Nachweis für eine unmittelbare Beteiligung am illegalen Glücksspiel vor. Die Behörde verweist auf laufende Prüfverfahren und betont, dass technische Dienstleistungen allein noch keine strafrechtliche Verantwortung begründen. Weitere Ermittlungen sollen klären, inwieweit die Plattformbetreiber mit deutschen Vorschriften in Konflikt stehen.

Die GGL hat bereits mehrere Domains blockiert und arbeitet mit internationalen Partnern zusammen, um den Zugang zu solchen Netzwerken einzuschränken. In diesem Zusammenhang verweist die Behörde auf bestehende Meldewege und Kooperationen mit Zahlungsdienstleistern.

Finanzielle Dimension und Nutzerzahlen

Die ausgewerteten Unterlagen beziffern die Gesamteinnahmen aus den betroffenen Plattformen auf über 600 Millionen Euro im genannten Zeitraum, wobei ein erheblicher Anteil auf deutsche Nutzer entfallen soll. Die Besucherstatistik für Mai 2026 mit acht Millionen Zugriffen aus Deutschland unterstreicht das Ausmaß der Reichweite. Analysten der Recherche sehen in diesen Zahlen ein Indiz für systematische Vermarktung über Suchmaschinen und soziale Medien.

Die Betreiber nutzen dabei wiederkehrende Zahlungsmethoden und Bonusmodelle, die in den internen Aufzeichnungen dokumentiert sind. Solche Strukturen ermöglichen es, Nutzer über längere Zeiträume zu binden, während regulatorische Kontrollen erschwert werden.

Ausblick auf weitere Entwicklungen

Die gemeinsame Recherche liefert eine detaillierte Übersicht über die technischen und finanziellen Verflechtungen, die Behörden nun nutzen können, um gezielte Maßnahmen zu ergreifen. In den kommenden Monaten, einschließlich August 2026, könnten zusätzliche Domain-Sperrungen und internationale Kooperationen folgen, die auf den hier präsentierten Erkenntnissen aufbauen. Die GGL kündigt an, die gewonnenen Daten in laufende Verfahren einzubringen.

Schlussfolgerung

Die Untersuchung von BR, Investigate Europe und den Partnern dokumentiert ein konkretes Netzwerk, das über Soft2Bet mit deutschen Nutzern verbunden ist, und sie stellt die entsprechenden Zahlen sowie regulatorischen Reaktionen transparent dar. Weitere Prüfungen werden zeigen, welche rechtlichen Konsequenzen sich daraus ergeben. Die vollständige Berichterstattung bietet zusätzliche Hintergründe zu den technischen und finanziellen Details.